Würdest du einen Gorilla in der Lunge finden?

Kennst du das, du liest etwas und übersiehst das wichtigste? Mir geht es auch so. Unser Gehirn ist tricky, manchmal zeigt es nur das, was wir wollen und wir übersehen zum Beispiel 100 mal den gleichen Rechtschreibfehler. Kunden suchen oft nach etwas und haben eine Idee davon, wie es sein soll. Kunden, die intensiv nach etwas suchen, übersehen daher relevante Passagen, weil sie nicht danach suchen. Wenn wir nach den Öffnungszeiten suchen, ignorieren wir zum Beispiel Informationen zu Angeboten. Genau so geht es uns allen, wenn wir uns intensiv auf eine bestimmte Sache konzentrieren.

 

Jede Suchintention beeinflusst unser Sehen.

Jede Information beeinflusst unser Sehen.

Jede Vor-Information beeinflusst unser aller Sehen.

 

Versuche es selbst:

Zähle in vier Sekunden alle schwarz-weiß Fotos auf diesem Screenshot.

(Link öffnet in neuem Tab/Fenster)Waren es 5 – top!

Und wie hieß die Fotografin? Hast du das auch gesehen und dir gemerkt?

Nein? Dann wurde deine Aufmerksamkeit durch das „zähle alle schwarz-weiß Elemente auf dieser Seite“ gerade aktiv gelenkt. Obwohl ihr Name größer ist als alle Bilder, hast du ihn übersehen! Das Feld mit dem Namen hätte allein schon wegen seiner Größe und Farbe deine Aufmerksamkeit auf sich ziehen müssen. Das ist auch der Grund warum Kunden riesige rote Rabatt-Buttons übersehen, wenn sie nach etwas Blauem suchen.

Die individuelle Aufmerksamkeit kann gelenkt werden. Das geht soweit, dass Dinge komplett übersehen werden, obwohl sie prominent dargestellt sind.

 

Du bist der Zauberkünstler,

der die Realität der Zuschauer erschafft

 

 

Psychologischer Hintergrund

Ballspiel Experiment

Das folgene Experiment ist sehr bekannt. Die Studie ist von Simons und Chabris aus dem Jahr 1999. In dem Video werfen sich Menschen gegenseitig Bälle zu. Aufgabe der Zuschauer ist es, die Ballpässe zu zählen. Wer das Video noch nicht kennt sollte das Originalvideo unbedingt an sich selbst testen:

Was passiert? Die anschließende Befragung zeigt, dass die Mehrheit über nichts Außergewöhnliches berichten kann. Hier tritt das Phänomen „Inattentional Blindness“ oder Unaufmerksamkeitsblindheit ein.
Die Zuschauer wurden nur durch die Aufgabe die Pässe zu zählen ausdrücklich an eine Sache gebunden. Den Gorilla der durchs Bild läuft sehen sie nicht.

Ein zweites Beispiel:

Ähnlich, wie uns als zählendem Zuschauer, ergeht es in folgender Studie Radiologie Ärzten mit einem anderen Gorilla.

 

Die „blinden“ Radiologen

Forscher legten Radiologen Lungenscans vor. Diese sollten die Aufnahmen auf Anzeichen für Krebs untersuchen. Auf einigen Scans versteckten die Forscher Abbildungen eines Gorillas.

Die Radiologen fanden zwar kleinste Tumore, aber viele übersahen den Gorilla einfach.

Eine Gruppe von Laien sah dieselben Scans, sie entdeckten den Gorilla in den Lungenscans sofort, weil Laien eben keine Vorinformation haben, wie verändertes Gewebe aussieht waren sie offen für andere Eindrücke. Wir nehmen zwar Dinge, die in dem Moment für uns relevant sind, wahr, aber übersehen andere Teile der realen Welt.

Die gesamte „Harvard Studie zu Inattentional Blindness“ (hier sind auch die Bilder der Lunge mit Gorilla zu finden, die aus Urheberrechtsgründen auf psyketing.de nicht abgebildet werden können).

Fazit: Glaub‘ nicht, dass der Kunde etwas sieht, nur weil es dargeboten wird. User merken oft nach einem erneuten Laden nicht mal, dass es eine völlig neue Seite ist.

 

  • Wenn ich ein spezifisches Vorwissen oder Bedürfnisse habe, nehme ich die Realität anders wahr.
  • Nur weil etwas auf einer Homepage sichtbar ist, heißt das noch lange nicht, dass es auch wahrgenommen wird.
  • Für Eye Tracking Studien gilt, nur weil der Kunde daraufblickt muss er es nicht wahrnehmen/verabeiten.
  • Während des gesamten Prozesses sind wir blind für unsere Blindheit.
  • Unsere Wahrnehmung läuft durch Filter, die wir in begrenztem Umfang beeinflussen können. Das kann z.B. durch Priming geschehen.
  • Wahrnehmung mit Überschriften, Bildunterschriften, Handlungsaufträgen aktiv lenken!